Psychotherapie – Mensch unter Menschen sein

 

Sie möchten sich in ambulante Psychotherapie begeben?

Nach der Kontaktaufnahme und ggf. nach einer Wartezeit gebe ich Ihnen einen Termin für ein Erstgespräch, um zu klären, ob eine Therapie das richtige für sie ist, ob wir uns verstehen und ein vertrauensvoller Kontakt herstellbar ist.

Psychische Beschwerden (z.B. Angstzustände) wie auch körperliche Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen), die mit einem Leidensdruck einhergehen, werden von der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung als  behandlungsbedürftig anerkannt und bezahlt, wenn eine Indikation gegeben ist.

Maximal 5 Probesitzungen dienen dazu, die Notwendigkeit einer Psychotherapie festzustellen, die dann von Ihrer Krankenkasse, Ihrer Versicherung oder auch der Beihilfe bewilligt wird. Die Anzahl der Sitzungen à 50 Minuten beträgt je nach Bedarf 25 - max. 100 Sitzungen.

 

Wie läuft generell eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie ab?

Das ist individuell sehr verschieden. Jeder Mensch ist einzigartig. Milton Erickson, ein amerikanischer Psychiater (1901-1980) war gegen das Gründen von Therapieschulen und meinte, in jedem neuen therapeutischen Kontakt müsse Therapie neu erfunden werden, um der Einzigartigkeit des Individuums gerecht zu werden.

Letztlich geht es darum, auf dem Hintergrund Ihrer Lebensgeschichte, Ihrer ganz persönlichen Belastungen und erlebten äußeren und inneren Konflikte, aber auch Ihrer Kompetenzen, Begabungen und Fähigkeiten die Beschwerden, die Sie haben, zu verstehen und einzuordnen und sich deren Sinn und Bedeutung bewusst zu machen. Das führt natürlich zu der Frage, was im Leben an inneren (Haltungen, Emotionen) und äußeren (Verhalten) Veränderungen not-wendig sind. Dieser ganze Prozess ist für Sie als Klient oder Patient eine Reise zu sich selbst, bei der ich als Therapeut Hilfestellungen zur Selbsthilfe gebe, den Prozess anrege und anleite. Im Zentrum des heilsamen Vorgangs steht jedoch eine gute, vertrauensvolle therapeutische Beziehung, in der Sie sich wichtig, verstanden und ernstgenommen fühlen können, sich öffnen können und positive Wertschätzung und Bestärkungen erfahren.

Und dazu möchte ich Ihnen noch mehr sagen:

 

Was ich persönlich wichtig finde, was Psychotherapie betrifft?

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort: Der Mensch ist des Menschen Medizin.

Und von Paracelsus, dem berühmten Arzt und Philosophen des 16. Jhdt. Ist überliefert: Die beste Arznei für den Menschen ist der Mensch.

In der Psychotherapie steht an erster Stelle die Qualität der therapeutischen Beziehung.

Heilsam ist eine respekt- und verständnisvolle Begegnung und eine konstant vertrauensvolle Beziehung. Im Grunde ist das eine Binsenweisheit und eine allgemein menschliche Alltagserfahrung. In einer Zeit, in der es in unserer Gesundheitsversorgung, und auch im Fachbereich Psychotherapie zunehmend „Behandlungstechniken“ in den Vordergrund gerückt werden und schnell die Rede ist von Machbarkeit, Effizienz und schnellen Erfolgen, von Evidenzbasierung und Therapiemanualen, scheint es mir wichtig, die Bedeutung der menschlichen Beziehung und „das Menschliche“ in der Psychotherapie gebührend zu erwähnen und zu würdigen.

Die Konzentration auf das „Machen“ und das Machbare, auf schnelle Veränderung bzw. schnelle Gesundung ist verständlicherweise zwar auch ein Anliegen von Patientinnen und Patienten. Oft höre ich von Patienten: „Ich möchte wieder der Alte werden.“ Wichtiger scheint es jedoch, kleinschrittig vorzugehen und zunächst einmal in Kontakt zu kommen mit mir, mich auf eine innere Reise zu begeben und mithilfe des Therapeuten herauszufinden: was ist eigentlich los mit mir?

Dabei hilft es, mit Akzeptanz meines „Soseins“ vorzugehen. Das schließt auch die Akzeptanz meines Problems mit ein. Also: in Kontakt kommen mit mir, wie ich bin und mit dem, wie es ist, anstatt das Symptom weghaben wollen, ist im Therapieprozess eine günstige Haltung, die freilich erst gelernt sein will, sind wir doch gewohnt, schnell darauf hinzuarbeiten, wieder „normal“ zu sein, wieder zu „funktionieren“.

Aber: Auch das Leidvolle, Schmerzliche gehört zu unserem Leben und zeigt mir etwas auf. Wir sollten also eine Bereitschaft haben, es zu er-fahren.

Es ist meines Erachtens die wichtigste Aufgabe des Therapeuten, in diesem Sinne einen Erfahrungsraum zur Verfügung zu stellen und abzustecken.

Damit in einem solchen Raum ein Patient sich entfalten, und gedeihen kann, ist die mitfühlende Begleitung des Therapeuten von sehr großer Bedeutung.  Mitgefühl, so bestätigen einmal mehr die neurobiologischen Erkenntnisse der letzten Jahre, ist eine, wenn nicht die entscheidende Haltung im Psychotherapie-Prozeß. Das hat mit Mitleid nichts zu tun. Im Mitleid sehe ich mein Gegenüber als Opfer und lasse Respekt vor der Leidens- wie der Selbstheilungsfähigkeit vermissen. Im Mitgefühl stehe ich zur Seite. Ein jeder Mensch heilt sich selber in der Therapie, aber es ist nicht gut, wenn wir damit alleine sind. Wir brauchen den anderen, um uns selbst zu finden. So wie ich es brauche, ganz ich selbst zu sein, um den anderen zu finden als Freund, als Gefährte, als Partner. Therapeutische Zuwendung ist nichts Süssliches. Wir brauchen gerade auch die ehrliche, kritische, aufrichtige Begleitung und Resonanz. Authentizität und  Wertschätzung gehören zusammen.

Ich schätze auch in der therapeutischen Arbeit Humor und Leichtigkeit in Verbindung mit Wertschätzung. Auch Tiefgang muss nicht unbedingt „schwere Arbeit“ sein!

 

Ganz allgemein gilt für jede Therapie:

Es geht um Steigerung von Selbst(wert)gefühl und Resilienz, was in etwa seelische Robustheit oder auch Widerstandskraft bedeutet, anders gesagt, dass Belastungen jedweder Art mich nicht so schnell aus der Bahn werfen. Selbstakzeptanz, d. h. mich anzunehmen, wie ich bin, auch gerade mit meinen Unzulänglichkeiten und Schwächen ist von großer Bedeutung im Hinblick auf eine gute Selbstbeziehung und dafür, Beschwerden zu überwinden und Leiden zu beenden. 

 

Solange ich mir nicht selbst in den Augen meines Nächsten begegne,

bin ich auf der Flucht und finde keine Geborgenheit. Wo kann ich einen Spiegel finden, um ein Mensch unter Menschen zu sein, wenn nicht in meinem Gegenüber.

Richard Beauvais, 1964